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12.07.2010

handelsjournal 07-10

Kategorie: Fachpresseartikel

Der Strom wird grüner

Energie verschwenden wird zum unbezahlbaren Luxus. Effizienz-Analysen
und Controlling halten auch in diesem Unternehmensbereich Einzug.

Sparen kann so schön sein: Zum Beispiel als Mitglied der Verbundgruppe Electronic Partner. Die Verbundgruppenzentrale hat die Vermarktung von Strom und Gas als neues Geschäftsfeld aktiviert. "Energie zum Mitgliedspreis" gab es bei EP im Juni, wer als Händler nicht nur selbst den Energielieferanten wechselte, sondern zudem noch neue Kunden warb, bekam einen Bonus und nahm außerdem an einem Gewinnspiel teil. Obendrein verkauft EP seinen Mitgliedern und Kunden nicht irgendwelchen Sprit. Die Partner können sich zugleich als sichtbares Zeichen für ihr klimafreundliches Engagement das "Meistro-Umweltzertifikat" an die Ladentür kleben. "Wir fühlen uns verpflichtet, einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Deshalb engagieren wir uns intensiv dafür, unsere Angebote im Bereich Öko-Strom und CO2-neutrale Energien weiter auszubauen“, sagt Jens Groß, verantwortlicher Bereichsleiter für das neue Geschäftsfeld. "Es ist unser erklärtes Ziel, noch mehr Unternehmer für dieses Thema zu gewinnen."

Energie verwenden statt verschwenden: In vielen Unternehmen hat eine sowohl kostengünstige wie ökologisch orientierte Energiebeschaffung hohe Priorität. Allen voran im Lebensmittelhandel – mit einem Anteil von 60 Prozent und mehr ist elektrische Energie hier der größte Kostenblock beim Energieeinkauf. Große Lebensmittelfilialisten haben daher schon vor ein paar Jahren damit begonnen, entsprechende Strukturen für ein effizienteres Energiemanagement in den eigenen Betrieben zu schaffen. Die EHA Energie-Handels-Gesellschaft, Hamburg, gemeinsame Tochtergesellschaft von Rewe und dem Energiekonzern Vattenfall, liefert den Filialen der verschiedenen Rewe-Konzernbereiche (Lebensmitteleinzelhandel, Bau- und Elektronikfachmärkte, Touristik) sowie den Lagerflächen und Produktionsstätten seit 2008 Grünstrom und Nutzenergie. Neben der Rewe-Gruppe zählen auch Textilfilialist Peek & Cloppenburg sowie die Coop eG in Schleswig-Holstein zu den EHA-Kunden. Edeka hat mit der EVG (Edeka Versorgungsgesellschaft mbH) einen eigenen Energiedienstleister gegründet, auch Metro und Tengelmann setzen seit Jahren auf eigene Gesellschaften.

Es geht immer um eines: Durch preisbewussten Einkauf, klug ausgehandelte Konditionen und Verträge sowie bestimmte technische und organisatorische Maßnahmen, Stromverbrauch und Energiekosten in ihren Unternehmen zu senken. Auch bei anderen Handelsunternehmen stehen Kostensenkungen auf der To-do-Liste ganz oben. Erste Anlaufstelle, um schon beim Energieeinkauf Kosten zu sparen, sind für HDE-Mitglieder verschiedene HDE-Landesverbände. Beispielsweise in Berlin-Brandenburg oder in Nordrhein-Westfalen. Letzterer hat mit dem Energiedienstleister Stadtwerke Düsseldorf einen Rahmenvertrag geschlossen. Mitgliedsunternehmen erhalten im Rahmen dieser Sammelverträge Rabatte auf ihren Energieeinkauf und Beratung hinsichtlich der für sie günstigsten Tarife. Die mögliche Ersparnis beim Tarifwechsel wird dabei in Euro und Cent genau ausgerechnet. Betriebliches Energiemanagement muss jedoch mehr Einsparpotenziale ausloten, um mit den Energieressourcen schonend umzugehen und Energiekosten zu optimieren. Das verlangt auch der Gesetzgeber.

Energiemanagement zu implementieren, bedeutet zunächst, das Handelsunternehmen in seinen Filialen zu analysieren. Die Vor-Ort-Situation im Hinblick auf Netzanschlüsse und Elektroinstallation, Energieverhalten und -bewusstsein, früherer und aktueller Energieverbrauch: All dies muss transparent gemacht werden, kritische Bereiche mit erheblichem Energieverbrauch müssen durchleuchtet und Energieeffizienzpotenziale ermittelt, energiepolitische Ziele definiert werden. Das kann zum Beispiel als erstes das schrittweise Umstellen auf Ökostromversorgung sein. Ebenso ist denkbar, an sämtlichen Entnahmestellen Referenzmessungen vorzunehmen, oder nur an besonders energieintensiven Verbrauchsstellen, je nachdem, welches Ziel definiert wurde. Auch Online-Controlling ist möglich.

Personelle und technische Ressourcen sind sicherzustellen, um ein Energiemanagementsystem zu betreiben; von Vorteil ist ein eigener Energiemanager im Handelsunternehmen, der konsequent darüber wacht, dass die definierten Ziele auch umgesetzt und eingehalten werden, Diese komplexe Aufgabe ist für viele Unternehmen des Mittelstands allein jedoch kaum zu stemmen. "Bereits mit überschaubarem Aufwand praktizierte Lösungen mit schnell sichtbaren Erfolgen sind erste Etappen in die Richtung eines umfänglichen Energiemanagements", sagt Rudolf Laubinger aus seiner Erfahrung als Geschäftsführer der Ensys Solutions GmbH. Die Ensys-Gruppe entwickelt mit ihren Kunden individuell abgestimmtes Energiemanagement auf Basis der DIN EN 16001. So lassen sich bereits durch die Optimierung der Mess-, Steuer- und Regelungsstrategie vorhandener Energieanlagen Kosten senken. Das Frankfurter Energiedienstleistungsunternehmen unterstützt unter anderem führende Handelsunternehmen aus der Drogerie- und Schuhbranche beispielsweise darin, durch Messungen und permanentes Controlling die gesteckten Ziele umzusetzen.

"Für Einzelhandelsunternehmen mit einer Vielzahl bundesweit verteilter Filialen ist es nahezu unmöglich, einen Überblick über aktuelle Preise, Verbräuche und Abrechnungsmodalitäten zu gewinnen", sagt EHA-Geschäftsführer Dirk Mithöfer. EHA unterstützt Handelsunternehmen durch ein effizientes Energiecontrolling mehrerer Standorte und realisiert nach eigenen Angaben spürbare Einkaufspotenziale durch bessere Einkaufskonditionen und Planungssicherheit. Die EHA Energie-Handels-Gesellschaft ist spezialisiert auf die Versorgung filialisierter Unternehmen mit 100 Prozent Ökostrom und auf Effizienzberatungen. Ansätze zur Kostenreduktion liefert die Gesellschaft dem Handel darüber hinaus durch gezielte Beratung, beispielsweise hinsichtlich der Wahl der Netzanschlussebene, da diese unmittelbar
auf die Preise einwirkt.

Kosteneinsparungen, darauf verweisen Energiedienstleister, ergeben sich aber auch durch das Vermeiden teurer Lastspitzen beim Bezug von Energie. Nach Berechnungen der PCC Energie GmbH in Duisburg, die sich als bundesweiter Versorger für den Mittelstand versteht, könnten Handelsunternehmen ihre Stromrechnungen um einen zweistelligen Prozentsatz senken, wenn sie ein sogenanntes "Lastgangmanagement" mit elektronischen Lastverteilern installieren. Dieses schaltet bei Erreichen eines zuvor definierten maximalen Verbrauchswertes einzelne vorab festgelegte Verbraucher ab und reduziert damit kostenintensive Lastspitzen. Zum Dienstleistungspaket der PCC gehören insbesondere Messstellenbetrieb und Messdienstleistungen, aber auf Wunsch auch der Aufbau eines betrieblichen Energiemanagements. Zu den von PCC mit Strom und Energiedienstleistungen versorgten Handelskunden zählt seit dem vergangenen Jahr der Schuhfilialist Görtz mit seinen rund 180 deutschen Standorten.

Das komplette Outsourcen ist für mittelständische und kleinere Handelsunternehmen, die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollen, eine interessante Option. "Im Rahmen des Energie-Contracting überträgt der Händler dem Energiedienstleister als sogenanntem Contractor die Verantwortung für ein professionelles und umfassendes Energiemanagement", erklärt Peter Metz, Geschäftsführer der Techem Energy Contracting GmbH. Bei dieser Lösung profitiert der Handel von den Steuervorteilen, die der Contractor als produzierendes Gewerbeunternehmen in Anspruch nehmen kann, aber auch von Kostenvorteilen, die der Dienstleister als Großabnehmer von Energie verhandelt. Techem leistet diese Aufgabe unter anderem für die Nummer 1 im deutschen Teppichhandel, Teppich-Kibek.

Ziel war es, die Energiekosten in den insgesamt 14 deutschen Kibek-Niederlassungen mit ca. 140.000 qm zu versorgender Nutzfläche zu senken. "Praxisbeispiele zeigen, dass Energieeinsparungen von bis zu 20 Prozent erreicht werden können, ohne dass investiert werden muss", sagt Peter Metz. Weitere Einsparpotenziale lassen sich durch beständiges Monitoring und Controlling des Energieverbrauchs identifizieren. Neben den geringeren Kosten durch effizienteren Energieeinsatz resultieren daraus auch verminderte CO2-Emissionen und damit ein Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Zudem können im Rahmen des Contracting mit dem Eschborner Dienstleister Schwachstellen alter Energieanlagen hinsichtlich Verbrauch, Störanfälligkeit und Reparaturkosten analysiert sowie effiziente Kälte- und Beleuchtungsanlagen geplant, errichtet und betrieben werden, um die Umsetzung des Energiemanagements zu unterstützen.

Eine weitere Option für Energiesparer im Handel bietet Watt Deutschland, Energielieferant für Mittelstands- und Filialkunden, an. Das Unternehmen organisiert firmen- und branchenübergreifende Interessengemeinschaften mit zehn bis 15 Mitgliedern, um gemeinsam das Thema Energieeffizienz zu erlernen und umzusetzen. "Jede Allianz schafft eine Win-Win-Situation: Verbrauch, Energiekosten und Umweltbilanz werden auf Kundenseite reduziert", meint Otto Klatte, Geschäftsführer von Watt Deutschland. Der Dienstleister vermittelt Fachpartner und Spezialisten und unterstützt die Allianz-Teilnehmer bei der Energieoptimierung im eigenen Haus. Dazu erarbeitet der Anbieter zusammen mit den Unternehmen einen individuellen Drei-Jahres-Plan und begleitet die jährliche Erfolgskontrolle. Die Watt-Effizienz-Allianzen orientieren sich dabei an den Erfahrungen anderer erfolgreicher regionaler Netzwerke (etwa dem EnBW-Netzwerk Energieeffizienz Weser-Ems). Sie starten im Sommer als Pilotprojekt in NRW.

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